"Anscheinend ohne alle Mühe, nur durch ein geschickt eingeworfenes Wort hielt sie die Unterhaltung in Fluß [...]" schwärmte der deutsche Pariskenner Melchior Grimm im Mai 1776 in seinem "Nachruf auf eine Salondame" - nämlich auf die soeben früh verstorbene Mademoisselle Julie de Lespinasse (1732-1776). Sie war die jüngste unserer in der heutigen Episode porträtierten "Drei Damen vom Salon" und stand in enger Beziehung zu den beiden anderen: der Marquise du Deffand (1697-1780), ihrer Tante, und Madame Marie Thérèse Geoffrin (1699-1777), ihrer Förderin. Bei allen Unterschieden hatten sie eines gemeinsam: sie prägten die Pariser Salonkultur um 1750 maßgeblich und boten der entstehenden Intellektuellen-Szene einen geschützten Raum. Aber kooperierten sie dabei oder waren es Konkurrentinnen mit handfesten eigenen Interessen? Darüber sprechen wir heute, wie immer ganz dicht an den Quellen!