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Marie von Ebner-Eschenbach: Aphorismen > Ebner-Eschenbach

Einen Gedanken verfolgen

Einen Gedanken verfolgen – wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von Neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke, dann läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf – neckend, quälend, unserer Ohnmacht, ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber der Kraft unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen Ringkampf ein beseligendes, untrennbares Bündnis auf Leben und Tod, und die Kinder, die ihm ...

aus: Marie von Ebner-Eschenbach, Gesammelte Schriften, Bd. 1: Aphorismen, Parabeln, Märchen und Gedichte, Berlin 1893.

Marie von Ebner-Eschenbach

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Einen Gedanken verfolgen
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