Lesedusche

Michelangelo Buonarotti: Auf den Tod der Vittoria Colonna

Kein Wunder ist’s, wenn ich

Kein Wunder ist’s, wenn ich, dem Brand zunächst
in Glut verging, daß, da er einwärts brach
von draußen, wo er war, er innen wächst
und mich verzehrt zu Asche nach und nach.

So leuchtend war mir der entflammte Ort,
aus dessen Glanz mir Qual herüberfiel,
daß ich voll Lust ihn ansah immerfort;
und Tod und Pein war mir ein Fest, ein Spiel.

Doch seit dem übergroßen Feuerschein,
der mich erhielt, der Himmel fortgeschafft,
bin ich wie zugedeckte Glut versunken.

Und legt die Liebe andres Holz nicht ...

aus: Dichtungen des Michelangelo, Übertragen von Rainer Maria Rilke, Frankfurt am Main 1957.

Michelangelo Buonarotti

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Kein Wunder ist’s, wenn ich
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