Lesedusche

Michelangelo Buonarotti: Sonette

O Nacht, zwar schwarze, aber linde

O Nacht, zwar schwarze, aber linde Zeit,
mit Frieden überwindend jedes Streben,
wer recht sieht und versteht, muß dich erheben,
und wer dich ehrt, ist voll Verständigkeit.

Du brichst das matte Denken ab, zersägst
und nimmst es ein mit feuchter Ruh und Schwere,
während du mich, wohin ich oft begehre,
im Traum von unten ganz nach oben trägst

Schatten des Sterbens, nur vor dir macht Halt,
was Herz und Seele feind ist, immer wieder;
letzte, Bedrückten, gute Arzenei.

Du heilst die schwache ...

aus: Dichtungen des Michelangelo, Übertragen von Rainer Maria Rilke, Frankfurt am Main 1957.

Michelangelo Buonarotti

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Track 01
O Nacht, zwar schwarze, aber linde
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